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Allgemein : Resilienz
05.03.2018 10:25 (437 x gelesen)

Im letzten Herbst ist mein Hund Bobby gestorben. Da er noch nicht so alt war und einen agressiven inoperablen Tumor hatte, kam sein Tod sehr überraschend und plötzlich und die Trauer und der Schmerz waren dementsprechend überwältigend. 

Mit Bobby hat mich sehr viel verbunden. Er war sehr intelligent, man hätte meinen können, er versteht jedes Wort. Er beobachtete nicht nur sehr gut, er wusste auch immer genau, von was man sprach. Aber er war auch äusserst sensibel und leider sehr stressempfindlich. Er hatte das Temperament vom Appenzeller, war dementsprechend oft sehr laut und leicht erregbar. Und er war eifersüchtig. Sehr. 

Als wir vor 2,5 Jahren die Bordercolliehündin Wendy zu uns aufnahmen, wurde sie zwar von Bobby geduldet. Vordergründig vertrugen sich die beiden gut, und die durch ein angeborenes Vestibulärsyndrom etwas handycapierte Wendy konnte viel vom erfahrenen Rüden Bobby profitieren. Bobby war aber, eh schon stressgefährdet, durch Wendy subtil unter zusätzlichen Stress versetzt. Beschäftigt mit Resourcen verteidigen, seine Stellung uns gegenüber zu behaupten. Wendy liebkosen und streicheln? Bobby fährt dazwischen. Wollte ich mal mit Wendy spielen, musste Bobby ins Platz und warten. Gehorsam wie er war, erduldete er dies.  

Nachts war er zunehmend unruhig in unserem Schlafzimmer, seit Wendy auch bei uns schlief. Irgenwann wurde er dann nachts im Wohnzimmer unten gelassen. Dort war ihm scheinbar wohler. Mir tat es einfach nur leid, aber ich liebte ja beide Hunde und wollte für beide nur das Beste.

Dass Bobby so früh ( mit neun Jahren ) und eigentlich sonst topfit aus dem Leben scheiden musste, konnte ich lange nicht verkraften. Das "warum" kratzte stark an mir. War es ein Fehler gewesen, Wendy als Zweithund bei uns aufzunehmen? Dann würde Wendy nicht mehr leben, und Wendy ist uns alles auf der Welt wert. 

Seit Wendy keinen Bobby als Führhund mehr hat, ist sie ( und auch ich ) mehr gefordert. Da sie als Welpe von ihren Geschwistern gemobbt worden war ( die Natur ist brutal , ein Welpe mit Vestibularsyndrom würde in der Natur verstossen und nicht überleben ) und da sie schlecht hört und ihr Gleichgewichtsorgan nicht optimal arbeitet, ist sie ängstlich und unsicher. Von Bobby war ich diese rasche Auffassungsgabe gewohnt, das Verstehen auf feinste Signale. Mit Wendy musste ich neu lernen umzugehen. Rufen bringt nicht viel, wenn der Hund nichts hört. Es musste also immer wieder Sichtkontakt gefordert werden.Für mich eine spannende Aufgabe, mit dieser Hündin zu arbeiten. Wir haben gegenseitig viel voneinander gelernt. Waren für Bobby Futter und v.a. Spiel das grösste Lob, ist es für Wendy streicheln und liebkosen.

Bobby und Wendy: Zwei total unterschiedliche Hunde. Beide einmalig in ihrer Art. Ist es nicht so mit allen unseren Tieren? Diese Beziehung aufbauen, das besondere Wesen kennenlernen, aneinander wachsen, das macht das Besondere an der Haltung eines Tieres aus. Leider nicht immer gelingt es, den Tieren ein stressfreies Leben zu ermöglichen. Manchmal sind die Umstände einfach unglücklich und die Tiere sind zu wenig resilient: Robust gegenüber widrigen Umständen. Siehe Bobby. Daraus entstehen leider oft chronische Krankheiten, die nicht immer einfach zu behandeln sind. 

Manchmal muss man das Schicksal auch einfach akzeptieren. Auch das habe ich von Bobby gelernt.

Für Bobby, meinen über alles geliebten Begleiter, der mich leider viel zu früh verlassen hat


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